Ansicht Stift Klosterneuburg

Stift Klosterneuburg: ein Ort mit vielen Gesichtern

Das Stift Klosterneuburg wurde im 12. Jahrhundert vom Babenherger Herzog Leopold III. und seiner Frau Agnes gegründet. Seit dieser Gründung wurde das Augustiner Chorherrenstift mehrmals umgebaut und erweitert, weshalb es sich heute als Konglomerat gotischer, barocker und historistischer Architektur präsentiert. Bei einem Besuch kannst du die vielfältigen Facetten des Stifts kennenlernen: dessen weltliche und geistliche Seite, dessen Funktion als Schatzkammer und als eines der größten Weingüter Österreichs und dessen wunderbar gestaltete Gärten. Auch den berühmten Verduner Altar, ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst des 12. Jahrhunderts, kannst du hier besichtigen.

Ja der Titel verrät schon ein wenig, dass du bei einem Besuch im Stift Klosterneuburg eine Menge zu sehen bekommst. Immerhin gibt es hier vier Touren bzw. Führungen, die jeweils unterschiedliche Aspekte des Stifts zeigen – Stichwort: Garten, Wein, Kloster, Kaiserresidenz. Angefangen vom barocken, imperialen Prunk der Residenz Kaiser Karls VI., über den schlichten, mittelalterlichen Kreuzgang bis hin zum dreistöckigen Weinkeller, gibt’s hier also eine Menge zu sehen. Mit einem Stiftsticket bekommst du all diese Führungen zu einem Preis von 17 Euro. Du kannst dich aber auch auf einzelne Aspekte beschränken, die dich besonders interessieren und einzelne Touren besuchen. Und natürlich kannst du auch öfters kommen, ganz klar. Beispielsweise wenn eine weitere Facette des Stifts auflebt: am 15.November, am Leopolditag. An dem der Gründer des Stifts, der auch hier begraben liegt, gefeiert wird. Klar, dass da in Klosterneuburg so einiges los ist, allen voran das berühmte „Fasslrutschen“!

Ein Ausflug nach Stift Klosterneuburg

Um einen Einblick zu bekommen, was du denn nun konkret in Klosterneuburg besichtigen kannst, möcht’ ich dir die einzelnen Touren kurz vorstellen. Vorab aber – der Ehrlichkeit halber – die Gartentour hab’ ich selbst nicht besucht. Weil es wettertechnisch einfach nicht so gepasst hat. Die Beschreibung auf der Website des Stifts klingt aber sehr vielversprechend!

Marmorsaal im Stift Klosterneuburg

Ein paar Backgroundinfos zum Stift Klosterneuburg

Vorab aber ein paar Informationen zum Stift. Das Stift Klosterneuburg wurde im 11. Jhdt. von Markgraf Leopold III. (dem später heilig gesprochenen Leopold) und dessen Frau Agnes gegründet. Über die Entstehung, bzw. deren Legende, hast du vielleicht schon etwas gehört. Der sog. Schleierlegende zufolge, tauchte der verlorene Schleier der Agnes neun Jahre später unversehrt an der Stelle des heutigen Stifts wieder auf. Aufgrund eines Gelübdes hätte Leopold III. an dieser Stelle seine neue Residenz und ein Augustiner Chorherrenstift gegründet. Gut, eventuell waren auch andere Gründe, wie die strategisch gute Lage oder die bereits bestehende römische Siedlung, ausschlaggebend für den Standort. Wie es auch gewesen sein mag, Leopold III. gründete jedenfalls 1114 hier seine neue Residenz – sprich, zog auch von Melk nach Klosterneuburg. 1133 wurden dann auch die Augustiner Chorherren nach Klosterneuburg berufen und ebenfalls im 12. Jahrhundert entstand eine weibliche religiöse Gemeinschaft auf dem Areal.

Obwohl Klosterneuburg nicht von allen Nachfolgern der Babenberger als Residenz genützt wurde (Heinrich IV. beispielsweise bevorzugte ja Wien – „am Hof“) blieb Klosterneuburg immer ein wichtiges, kulturelles und religiöses Zentrum. So auch nach dem Aussterben der Babenberger zur Zeit der Habsburger, die ja gerne an Bauprojekte der Babenberger anknüpften. Meilensteine in der Geschichte des Stifts waren sicherlich einerseits die Heiligsprechung des Gründers Leopold III. im Jahr 1485 (es folgten Pilgerströme und Besucher, es folgten Geldeinnahmen und Wohlstand).

Ein neues El Escorial für Österreich

Andererseits der Herrscher Karl IV. Der dann ganz wesentlich das heutige Erscheinungsbild von Stift Klosterneuburg prägte und sich wieder für eine Residenz in Klosterneuburg entschied. Dafür beauftragte er den Architekten Donato Felice d’Allio das bestehende Stift auszubauen und das nicht gerade bescheiden: die österreichische Version des „El Escorial“ sollte es werden und nicht weniger. Wie in Spanien sollten hier Kloster und Herrscherpalast vereint werden. Einige Stimmen munkeln auch, dass Karl den Verlust der spanischen Besitztümer der Habsburger nicht ganz verkraftet und denselben mit dem Bau kompensieren wollte. Was natürlich nicht gelang. Auch deswegen nicht, weil nach dessen Tod 1740 nach nur 10 Jahren die Bauarbeiten eingestellt wurden. Im Endeffekt wurde nur ein Viertel der geplanten Anlage umgesetzt. Und wenn du heute die barocke Anlage vor dir hast, diesen ganzen Prunk und die nicht gerade kleinen Ausmaße, kannst du dir ungefähr vorstellen, welch Riesenprojekt Karl VI. da vor Augen stand.

Sala terrana, Außenansicht, Stift Klosterneuburg

Das Stift Klosterneuburg besichtigen 

Zugegeben, das waren schon sehr viele Informationen. Aber immerhin mehr als 900 Jahre, die das Stift bereits besteht, sind ja auch nicht gerade kurz. Und der Stellenwert Klosterneuburgs ist nicht zu unterschätzen. Natürlich bekommst du all diese Informationen auch bei einer Besichtigungstour erzählt – keine Sorge, wenn du dir also nicht alles gemerkt hast. Wie schon erwähnt, vier unterschiedliche Touren stehen dir nun zur Auswahl – wobei du natürlich nicht wählen musst und auch alle vier machen kannst. Vier Touren, die unterschiedliche Aspekte des Stifts vorstellen und dich durch verschiedene Teile der Anlage führen.

Die imperiale Seite von Stift Klosterneuburg

Die sogenannte Habsburger Tour widmet sich der Kaiserresidenz in Stift Klosterneuburg. Stichwort Kaiser, Stichwort Habsburger – die Residenz Karls VI. und nicht Leopolds III. ist also gemeint. Weil letzter ja kein Habsburger und kein Kaiser, sondern Markgraf und Babenberger war und dessen Residenz nicht mehr erhalten ist. Bei der imperialen Tour bekommst du also all den barocken Prunk zu sehen, all die Räume des sog. Kaiserappartements, inklusive des prachtvollen Marmorsaals. Dessen Deckenfresken du ganz bequem mittels eines Spiegels entdecken kannst!

Die klösterliche Seite von Stift Klosterneuburg

Bei der sakralen Tour durch das Stift Klosterneuburg liegt der Fokus auf dem Stift. Also auf dem klösterlichen, religiösen Aspekt und damit auf den mittelalterlichen Teil. Wie die Umgestaltungsmaßnahmen Karls VI. vor allem die Residenz und nicht das Kloster betrafen. Die Tour führt dich also durch die sakralen Teile der mittelalterlichen Anlage: durch die Leopoldskapelle (der Begräbnisstätte Leopolds III.), den Kreuzgang, Brunnenhaus und natürlich auch in die Stiftskirche.

Ein Highlight ist sicherlich die Besichtigung des sog. Verduner Altar. Ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst aus dem 12. Jahrhundert von Nicolas Verdun. Der Verduner Altar entstand zwischen 1171–1181 und war vermutlich nicht immer ein Altar, sondern eine Kanzelverkleidung. Erst im 14. Jahrhundert wurde er zum Flügelaltar umgestaltet. Heute ist er jedenfalls weder Altar noch Kanzelverkleidung, sondern in einem separaten Raum hinter Glas zu bewundern.

Einblick in die Stiftskirche von Klosterneuburg

Die kulinarische Seite vom Stift Klosterneuburg

Klosterneuburg war nicht nur Residenz des Kaisers und Markgrafen sowie Kloster, sondern – und das gilt auch für heute noch – Weingut. Eines der größten und ältesten Weingüter Österreichs, um genau zu sein. Genau diesem Aspekt kannst du bei einer Weinkeller Tour nachgehen. Hier wirst du in die unglaublich riesigen barocken Weinkelleranlagen geführt. Bis 35 Meter unter der Erde auf drei Ebenen wurde hier Wein gelagert. Die Führung umfasst außerdem noch eine Führung des Presshauses, Barrique- und Gärkeller und eine Weinverkostung in der Vinothek.

Die naturverbundene Seite von Stift Klosterneuburg

Wie so oft ist das Stift Klosterneuburg untrennbar mit Gärten verbunden. Seit Jahrhunderten diente der Konventgarten des Stifts als Ort der Meditation. Heute kannst du insgesamt sieben Höfe und Gärten besichtigen, die in unterschiedlichem Stil gestaltet wurden: den Pfistererstiegenhof und Wassertorhof im mittelalterlichen Stil, den Leopoldihof im Renaissancestil, den Feuerbrunnenhof im Stil des Manierismus, den Konventgarten im englischen Stil, den Kreuzgarten mit christlichen Pflanzenmotiven und den Teichgarten im neuzeitlichen Stil. Dort befindet sich ebenfalls die neoklassizistische Orangerie des Josef Kornhäusls.

Blick auf Blumen und die Orangerie im Stift Klosterneuburg
Rose im Konventgarten im Stift Klosterneuburg

Wie gesagt, die Gartentour hab’ ich selbst nicht gemacht, wobei die Beschreibung wirklich toll und vielseitig klingt. Immerhin, Gärten in unterschiedlichen Stilen, dahinter das Stift als tollen Rahmen. Gartenliebhaber kommen hier sicher auf ihre Kosten! Führungen sind ab einer Gruppe von 10 Personen möglich!

Noch nicht genug?

Tatsächlich, es gibt noch mehr in Stift Klosterneuburg zu besichtigen! Beispielsweise die Schatzkammer, welche die „historischen Schätze in historischen Ambiente“ präsentiert, wie man so schön auf der Website von Klosterneuburg lesen kann. Darunter auch der berühmte österreichische Erzherzogshut aus dem 17. Jhdt. Oder aber auch eine wechselnde Ausstellung, derzeit unter dem Titel „Das Skriptorium und die Bibliothek des Augustiner Chorherrenstifts Klosterneuburg im 15. Jahrhundert“, die allerdings nur am Wochenende und von 14:00–17:00 zugänglich ist.

Du siehst, ein Ausflug ins Stift Klosterneuburg lohnt sich! Zu sehen gibt’s hier jede Menge und ich bin sicher, für jeden Geschmack ist etwas dabei!

Das rät dir freets für deinen Ausflug zum Stift Klosterneuburg

  • Wenn du schon mal da bist: Probier‘ auch gleich den Wein. Der Stiftswein von Klosterneuburg schmeckt gut (mein Favorit: St. Laurent). In der Vinothek kannst du vorab kosten und gleich für zu Hause einkaufen

  • Schau auch vor das Stift! Hier findet du Ausgrabungen von Teilen des ehem. Augustinerklosters aus dem Mittelalter

  • Den Audioguide gibt’s bei jeder Führung dazu – übrigens auf 14 verschiedenen Sprachen

  • Die Öffnungszeiten für die jeweiligen Touren findest du auf der Website des Stifts.

  • Das Stift ist auch nicht weit vom Bahnhof Klosterneuburg entfernt. Vom Bahnhof Spittelau geht es in nur 18 Minuten nach Klosterneuburg, von Wien also sehr gut auch öffentlich erreichbar.

Besucherinfos
Adresse:Stiftsplatz 1, 3400 Klosterneuburg
Öffnungszeiten:täglich 10:00 - 16:00
Preisspanne:€ (Erwachsene 9,50)
Dauer:ab 1,5 Stunden
Aktualisiert:April 2024
Zuletzt erlebt:Mai 2013
Claudia Schlager

Autorin Claudia Schlager

Reise-, Ausflugs- und Fotoenthusiast, Storyteller, 2fache Mädchenmama, Kunsthistorikerin, Genussmensch und Naturliebhaberin aus dem südlichen Niederösterreich. Mit freets verbinde ich seit 2015 einen Großteil meiner Leidenschaften und gebe regelmäßig Einblick in meine kleinen und großen Entdeckungen.